Unternehmertum
Bericht

Das Walliser Föhnwunder mit zwanzig Jahren Ersatzteilgarantie

Wer kennt sie nicht? Die Warmluftduschen der REZ AG stehen in praktisch jedem Schweizer Umkleideraum – der Marktanteil bei öffentlichen Garderoben liegt landesweit bei stolzen 90 Prozent. Mit seiner Strategie, die auf langlebige Produkte mit einer zwanzigjährigen Ersatzteilgarantie basiert, schwimmt das Walliser Traditionsunternehmen erfolgreich gegen den Strom und setzt ein Zeichen für Nachhaltigkeit. Ein Blick hinter die Kulissen.

«Die Warmluftduschen von REZ begleiten Generationen. Wohl jede Schweizerin und jeder Schweizer hat schon mindestens einmal eine genutzt», erklärt Drilon Azemi und erinnert sich selbst noch, wie er als Kind unter einem Föhn des Walliser Unternehmens stand. Heute ist er gemeinsam mit Kerstin Fischer für den Verkauf der REZ-Produkte zuständig. Das Besondere an den Warmluftduschen ist ihre lange Lebensdauer. Alle zwanzig Jahre wird ein neues Modell lanciert, und zwar mit einer Ersatzteilgarantie von 20 Jahren. Das neueste Modell «Beluga» wurde 2025 auf den Markt gebracht. Es bleibt bis 2045 im Sortiment.

Und dass den Warmluftduschen von REZ tatsächlich kaum die Luft ausgeht, zeigt das Beispiel des Volksbads St. Gallen. Bis die alten Geräte des Bades vor zwei Jahren ausgetauscht wurden, waren sie nicht weniger als 59 Jahre im Einsatz. Von 1965 bis 2024 liefen sie durch und standen tagtäglich im Gebrauch. «Das ist Rekord und ein schöner Beleg für die Langlebigkeit unserer Produkte», betont Kerstin Fischer. Eine Stärke der Geräte liegt in ihrem Baukastenprinzip – innert weniger Minuten lassen sich auch ohne Fachkenntnisse Reinigungen durchführen oder bei Bedarf Ersatzteile montieren.

Drilon Azemi

Die Warmluftduschen von REZ begleiten Generationen. Wohl jede Schweizerin und jeder Schweizer hat schon mindestens einmal eine genutzt.

Umzug ins Wallis als Wendepunkt

Das Unternehmen REZ blickt auf eine bald 100-jährige Geschichte zurück – es wurde 1927 gegründet. Sein Name steht für Rudolf Eichenberger Zürich und geht auf den Unternehmensgründer und den damaligen Standort zurück. In den ersten Jahren machte sich REZ vornehmlich durch Föhnhauben oder die Entwicklung des ersten hydraulischen Coiffeur-Stuhls einen Namen. In den 60er-Jahren folgte der Einstieg in den öffentlichen Bereich, und zwar durch die Fabrikation und den Vertrieb von Warmluftduschen und Händetrockner.

Als Mitte der 90er-Jahre die Nachfolge neu geregelt wurde und eine Firmenübernahme zur Diskussion stand, sprangen mehrere Oberwalliser Investoren ein, zu denen auch der heutige CEO Herold Albrecht zählte. Sie übernahmen das Geschäft und wechselten den Firmenstandort ins Wallis. Zunächst wurde in Naters gewirtschaftet und ab dem Jahr 2005 in Visp, wo sich noch heute der Firmenstandort befindet. Der Umzug ins Wallis signalisierte einen Wendepunkt in der Firmengeschichte, wie die weitere Entwicklung zeigen sollte. Bereits 1999 folgte dank gestiegenem Umsatz das bis anhin erfolgreichste Geschäftsjahr der REZ AG.

Auf nachhaltigen Partnerschaften aufgebaut

Im Angebot stehen nicht nur Warmluftduschen. Bereits vor zwanzig Jahren suchte die Geschäftsleitung für eine breitere Abstützung ein zweites Standbein und wurde beim deutschen Unternehmen Wagner Ewar fündig, das auf Sanitärausstattungen aus Edelstahl für gewerbliche Waschräume spezialisiert ist. Seither besitzt man die exklusiven Verkaufsrechte für die Schweiz und ergänzt das eigene Angebot mit den Produkten von Wagner Ewar. «Diese Partnerschaft ist zu einem wichtigen Standbein unseres Unternehmens geworden. Wie REZ setzt auch Wagner Ewar auf Nachhaltigkeit und langlebige Produkte», sind sich Kerstin Fischer und Drilon Azemi einig.

Für REZ sind rund 15 Personen tätig. Gut eine Handvoll von ihnen arbeitet direkt für die Firma. Daniel Düsentrieb des Unternehmens ist Ingo Ryser. Der Betriebsleiter ist ein Urgestein und seit der Ansiedlung im Wallis am Drücker. «Ich habe mir vor 30 Jahren auf die Fahne geschrieben, dass REZ die Nummer 1 ist und bleiben muss», betont er. Vor Ort wird die Entwicklung, die Administration und der Verkauf abgewickelt. Produziert wird bei externen Partnern. Während die Herstellung in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf erfolgt, kümmert sich das Atelier Manus in Glis um die Verpackung und den Versand.

Vom Wallis aus in alle Welt

Der Standort Wallis spielt mit seinen Rahmenbedingungen einen wichtigen Faktor für den Erfolg des Unternehmens. Weniger zentral ist er laut Ryser als Absatzmarkt, zu dem auch zunehmend Privatkunden zählen: «99 Prozent unserer Aufträge sind von ausserhalb des Kantons.» Ein Grossteil der Warmluftduschen findet Abnehmer in der Schweiz, der Rest wird exportiert. «Der Export hat über die Jahre stetig zugenommen», sagt Verkaufsleiter Drilon Azemi. Aktuell werden Föhne in nicht weniger als 26 Länder exportiert. Im Fokus liegt Europa, es wird aber auch in ferne Länder geliefert, wie zum Beispiel Saudi-Arabien, Malaysia oder Japan. Darauf sei er besonders stolz, so Azemi.

Für die im letzten Jahr neu lancierte Generation der Warmluftduschen, die Beluga-Linie, hat sich das Team rund um Ingo Ryser ins Zeug gelegt. «Da ich in einigen Jahren pensioniert werde, hatte ich nochmals Lust, ein neues Produkt mit zahlreichen Änderungen und Verbesserungen zu lancieren.» Neu ist neben fix montierten und höhenverstellbaren mit oder ohne Spiegel nun auch eine Unterputz-Variante verfügbar. Dadurch lässt sich die Höhenverstellung erstmals in der Wand versenken. Verkaufsspezialistin Kerstin Fischer erklärt: «Gerade für den Privatbereich kann diese Variante interessant sein, da sie platzsparend ist und sich dezent ins Raumkonzept einfügt.»

Ein Produkt für kommende Generationen

Auch wenn die Anschaffungskosten einer REZ-Warmluftdusche die Preise eines handelsüblichen Handföhns deutlich übersteigen, zahlt sich ein Kauf langfristig aus. Die Langlebigkeit mit einer Laufzeit von 20 bis 30 Jahren, das unverwüstliche Gehäuse, der niedrige Energieverbrauch und die unkomplizierte Handhabung sind nur einige Punkte, die dafür ins Feld geführt werden könnten. Das REZ-Team ist jedenfalls sehr optimistisch, dass ihm die Arbeit nicht ausgehen wird. «Auch die kommenden Generationen werden noch unter unseren Geräten stehen. Warme Luft nach dem Duschen ist ein Grundbedürfnis, das wir mit unseren Warmluftduschen auf nachhaltige Art und Weise befriedigen können», ist Betriebsleiter Ingo Ryser überzeugt.

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