Unternehmertum
Bericht

Von der Parzelle bis zum Firstbalken – alles aus einer Hand

Die Holzbau AG in Mörel-Filet ist mehr als eine Zimmerei: Als Totalunternehmen plant, koordiniert und baut der Familienbetrieb ganze Überbauungen aus Holz. Seit der Gründung 1969 hat sich das Unternehmen von der einfachen Sägerei zum Grossdienstleister mit bald 120 Mitarbeitenden weiterentwickelt. Die beiden Geschäftsleitungsmitglieder Marc Bumann und Didier Jossen erklären, was das Unternehmen ausmacht und weshalb Holz der Baustoff der Zukunft ist. 

Sie sind absolute Spezialisten, wenn es um Holz geht. Das Angebot des Unternehmens geht jedoch über Holzarbeiten hinaus. «Es steht zwar Holzbau AG auf unserem Firmenschild», sagt Marc Bumann. «In erster Linie verstehen wir uns heute aber als Gesamtprojektleiter.» Wer beim Namen also an eine Handwerkstruppe mit Zimmermannsaxt und Falzhobel denkt, liegt zwar nicht falsch – aber doch nur halb richtig. Das Unternehmen am Produktionsstandort in Mörel-Filet plant, baut und liefert nämlich ganze schlüsselfertige Häuser und Mehrfamiliengebäude. Vom Entwurf über die Ausführung bis zur Übergabe gibt es einen Ansprechpartner, einen Vertrag, eine Rechnung.  

Marc Bumann

In erster Linie verstehen wir uns heute als Gesamtprojektleiter.

Vom Sägewerk zum Totalunternehmen

Die Geschichte der Holzbau AG nahm ab den späten 60er-Jahren ihren Lauf. Bumanns Grossvater konnte damals das Firmenareal samt Schreinerei in Mörel-Filet aufkaufen. Damit legte er den Grundstein für das, was heute eines der grössten Holzbauunternehmen des Wallis ist. «Bis 2011 haben wir das Holz teils noch selbst aus dem Wald geholt», erinnert sich Bumann. Das änderte sich, als der Aufwand für einen rohen Baumstamm höher lag als der Importpreis von fertigem Brettschichtholz aus dem europäischen Umland. «Was wir pro Jahr in der Sägerei produziert haben, wurde andernorts in nur einem Tag umgesetzt.» Dagegen war nicht mehr anzutreten. 

Nachdem die zweite Generation den Standort in Mörel-Filet zur Zimmerei und Schreinerei ausgebaut hatte, folgte schliesslich um das Jahr 2000 der Schwenk zum Totalunternehmen – und damit zu dem, womit die Holzbau AG heute den grössten Teil ihres Umsatzes erzielt. Ein Familienbetrieb ist das Unternehmen bis heute geblieben: Vier Familienmitglieder, darunter Marc Bumann, sitzen in der Geschäftsleitung. Sie werden durch zwei langjährige Mitarbeitende ergänzt. Auf die Frage, ob die Nachfolgeregelung damit geglückt ist, antwortet Bumann: «Ja, das kann man so sagen. Mit der aktuellen Geschäftsleitung sind wir breit abgestützt und für kommende Herausforderungen gewappnet.» 

Pauschalpreis ohne Nachkalkulation

Was das Angebot der Holzbau AG beispielsweise von klassischen Architekturprojekten unterscheidet, ist das Prinzip des Fixpreises. «Wir rechnen das Haus durch und geben einen Pauschalofferte ab», erklärt Jossen. «Das ist dann der Preis, den die Kundschaft im Endeffekt zahlt – ohne unerwartete Mehrkosten.» Dafür müsse das Offertwesen jedoch sehr genau sein und die Kalkulation auf soliden Grundlagen fussen. Wer beispielsweise mit einem Grundstück kommt und ein Projekt will, erhält ein Gesamtangebot: Entwurf, Planung, Ausführung, inklusive Partnerunternehmen – alles zentral koordiniert. «Dadurch können wir Termin- und Kostensicherheit garantieren.» 

«Wir sind viel stärker als Planer, als Bauleiter, als Koordinatoren und Kalkulatoren unterwegs», sagt Jossen. Das zeigt sich auch im Tagesgeschäft, das sich im Lauf der Jahre deutlich verschoben hat. Während früher der grösste Teil der Belegschaft draussen auf Baustellen oder im Werk arbeitete, sind heute fast die Hälfte der Belegschaft im Büro tätig. Der vor drei Jahren fertiggestellte Neubau auf dem Firmengelände – natürlich aus Holz – trägt diesem Wandel Rechnung: Bürotrakt auf drei Stockwerken, Mensa, und im obersten Geschoss eine Ausstellung mit Mustern und Materialproben, die Kunden direkt vor Ort begutachten können.

Drei Kundentypen, ein Markt

Auf die Frage, ob es einen typischen Kunden, eine typische Kundin gibt, haben Bumann und Jossen rasch eine Antwort parat: «Unsere Kundschaft lässt sich in drei Segmente einteilen.» Dazu zählen sie erstens junge Familien um die Mitte Dreissig, die einen Erstwohnsitz planen, und zweitens ältere Paare, die sich eine Altersresidenz bauen lassen wollen. Die dritte und zuletzt spürbar wachsende Gruppe umfasst schliesslich institutionelle und gewerbliche Kunden, die ganze Arealüberbauungen realisieren und dabei explizit auf Holz setzen. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Überbauung ist das Multifunktionsgebäude des Eyaparks, das derzeit in Visp West entsteht.  

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen den Bau von jeweils rund 25 Einfamilienhäuser begleitet und umgesetzt. Dazu kommt eine wachsende Zahl von Mehrfamilienhäusern – mit mittlerweile gut 15 Referenzprojekten, die Interessierten bei Bedarf gezeigt werden können. Der geografische Schwerpunkt liegt nach wie vor klar im Oberwallis – rund 90 Prozent des Umsatzes werden in der Region erwirtschaftet. Das heisst aber nicht, dass nicht auch Aufträge von ausserhalb angenommen werden. So wurden auch bereits Projekte in Genf, Zürich oder im Bündnerland realisiert. Gerne möchten die Holzspezialisten aus Mörel-Filet auch in Richtung Westen mehr Aufträge ausführen. Noch habe man es nicht geschafft, auch im französischsprachigen Wallis Fuss zu fassen. 

Didier Jossen

Für die Nachwuchsförderung muss man Geld und Zeit investieren. Aber es lohnt sich sehr.

Nachhaltiger als Betonbauten

Bei einer Belegschaft von rund 120 Mitarbeitenden ist das Thema Fachkräftemangel auch bei der Holzbau AG ein steter Begleiter. Eine eigene Antwort darauf hat man in der internen Ausbildung gefunden. Aktuell beschäftigt die Firma eine stolze Zahl von 21 Lernenden, die von der Zimmerei und Schreinerei, über den Zeichnerberuf bis hin zum kaufmännischen Bereich ausgebildet werden. «Für die Nachwuchsförderung muss man Geld und Zeit investieren. Aber es lohnt sich sehr», so Jossen. Vor 15 Jahren hatte man gerade im handwerklichen Bereich Mühe: Alle vier Jahre kam ein Lernender. Heute sind es wieder zwei bis drei pro Jahr. «Das Interesse am Handwerk wächst», freut er sich. 

Für Bumann und Jossen ist Nachhaltigkeit nicht bloss ein Marketingbegriff. Sie sind überzeugt vom Werkstoff Holz. «Gebäude aus Holz sind nachhaltiger als Betonbauten», sagt Bumann. Kostenmässig und in Punkto Wohnkomfort sei es ohne weiteres möglich, mit dem verbreiteten Massivbau mitzuhalten. Und auch die Langlebigkeit des Materials sei unbestritten. Man müsse nur durch die alten Walliser Dörfer spazieren und finde zahlreiche Jahrhunderte alte Beispiele in der Region. Immer mehr für Holzgebäude sprechen auch die angepassten Normen und Bewilligungsverfahren: Künftig müsse der CO₂-Fussabdruck bereits beim Baugesuch nachgewiesen werden, erklärt Bumann. Das sei ein Vorteil für den Holzbau.  

Organisches Wachstum als Ziel

Auch auf dem eigenen Firmenareal setzt die Holzbau AG auf Nachhaltigkeit und geht dabei noch einen Schritt weiter: Eine Photovoltaikanlage mit eigener Batteriespeicherung liefert Strom für total 125 Haushalte in Mörel-Filet. Die Holzbau AG ist damit auch Energielieferant – dieses Detail zeigt, wie breit das Unternehmen denkt. Nächste Schritte zum Ausbau des Areals sind bereits in Planung. Die Weichen sind gestellt für eine neue Schreinerei. Die bestehende ist, trotz mehrfacher Anpassungen, zu klein geworden. «Das nächste Nadelöhr lösen», beschreiben Bumann und Jossen das Prinzip, welches das strategische Geschäft seit Jahrzehnten antreibt.  

Fest steht, im Moment ist die Nachfrage nach dem Angebot der Holzbau AG erfreulich. «Es läuft sehr gut, da müssen wir gar nicht drüber nachstudieren», sagt Jossen. Damit das auch künftig so bleibt, will man weiter organisch wachsen und ist dabei auch offen für neue Märkte. Dafür sollen die Überzeugungsarbeit, die in den letzten Jahren geleistet wurde, fortgeführt und die Vorzüge des Holzbaus hervorgehoben werden. «Wir wollen der Bevölkerung bewusst machen, dass auch Mehrfamilienhäuser aus Holz machbar sind, allen Ansprüchen genügen und kostenmässig mit dem Massivbau konkurrenzieren können», sagen Bumann und Jossen – und machen sich wieder auf den Weg zurück ins neue Bürogebäude.

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