Wirtschaftspolitik
Bericht

Wirtschaftsforum sagt Nein zur «10-Millionen-Schweiz» Initiative

Das Wirtschaftsforum Oberwallis (Wforum) empfiehlt der Stimmbevölkerung ein klares Nein zur eidgenössischen Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». In einer Blitzumfrage unter seinen Mitgliedern waren drei Viertel der teilnehmenden Walliser Unternehmen gegen die eindimensionale Nachhaltigkeitsinitiative. Die Begründung ist eindeutig: Ein starrer Bevölkerungsdeckel trifft die Oberwalliser Wirtschaft dort, wo sie bereits heute am verwundbarsten ist.

Im Oberwallis arbeiten Menschen aus mehr als 120 Nationen. In Tourismus, Industrie, Bau und im Gesundheitswesen sind ausländische Mitarbeitende keine Randerscheinung, sondern unverzichtbar. Ohne Zuwanderung könnten viele Unternehmen in unserer Region ihren Betrieb heute nicht mehr aufrechterhalten. Dass die Schweiz langfristig auf Zuwanderung angewiesen ist, belegen Zahlen aus der nationalen Arbeitsmarktforschung: Mehr Personen scheiden aus dem Erwerbsleben aus, als neu eintreten.

Im Oberwallis ist dieser Trend besonders sichtbar — der Geburtenüberschuss war in vier der letzten fünf Jahre negativ. Es droht eine umgedrehte Alterspyramide, bei der zu wenig Erwerbstätige in die Sozialwerke einbezahlen. Wachstum oder überhaupt ein Ausgleich entsteht nur durch Zuwanderung. Eine solche Zuwanderung wirkt gerade auch in Berggebieten existenzsichernd und verhindert den Schwund bestehender Angebote.

Zahlen, die für sich sprechen

In den vergangenen Jahren hat sich die Wirtschaft in der Region bemerkenswert entwickelt: Die Anzahl der Beschäftigten stieg in zwölf Jahren um 17 Prozent. Die Vollzeitäquivalente nahmen um 23 Prozent zu. Die Zahl der Unternehmen im zweiten und dritten Sektor wuchs in zehn Jahren um 11 Prozent. Diese Entwicklung ist kein Selbstläufer. Sie setzt voraus, dass Unternehmen die Arbeitskräfte finden, die sie brauchen — auch aus dem Ausland. Ein gesetzlicher Bevölkerungsdeckel würde genau das erschweren.

Die Schweiz steht zudem vor einer demografischen Herausforderung. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Rentenalter, während weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Finanzierung der AHV ist deshalb auf genügend Erwerbstätige angewiesen. Viele zugewanderte Arbeitskräfte leisten heute einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung unserer Sozialwerke. Wer die Zuwanderung stark begrenzt, verschärft den Druck auf die Altersvorsorge. Und letztlich bedeutet dies auch, dass die erwerbstätige Bevölkerung deutlich länger arbeiten muss – das aktuelle Rentenalter steht dann auf der Kippe.

Bilaterale Verträge auf dem Spiel

Die Initiative wird beim Erreichen der 10-Millionen-Grenze zur Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU führen. Für das Oberwallis wäre das nicht abstrakt: Die Region ist exportorientiert, vernetzt und auf stabile Rahmenbedingungen mit den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz angewiesen. Eine Kündigung der Bilateralen hätte direkte Folgen für Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in unserer Region.

Das Wforum anerkennt, dass Bevölkerungswachstum Herausforderungen mit sich bringt, etwa bei Infrastruktur, Mobilität oder Wohnungsmarkt. Die Initiative bietet dafür jedoch keine wirksame Lösung. Ein starrer Bevölkerungsdeckel schafft keine Wohnung, baut keine Strasse aus und entlastet weder Verkehr noch Schulen. Im Gegenteil: Er verschärft den Fachkräftemangel in Branchen, die genau diese Herausforderungen bewältigen müssen – im Bau, Gesundheitswesen, Tourismus sowie in der Industrie – und gefährdet die bilateralen Verträge.

Diese Herausforderungen lassen sich nicht mit einer starren Zahl lösen. Gefragt sind Investitionen in Wohnraum, Infrastruktur, Bildung und Innovation sowie eine vorausschauende Raumplanung und bessere, effizientere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das Oberwallis braucht Lösungen, die Probleme lösen und nicht neue Risiken schaffen.

Die Schlussfolgerung ist klar: Nein zur Initiative. Schwächen wir unsere Region nicht selbst – sagen wir Nein zur sogenannten Nachhaltigkeitsinitiative.

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